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16.09.2015

Hautsache

Die Haut ist unser größtes Organ und erfüllt zahlreiche Aufgaben. Doch Sonnenlicht, Umwelteinflüsse und unser Lebensstil setzen ihr tagtäglich zu. Ein kleiner Streifzug durch die häufigsten Schwachstellen unserer Schutzhülle.

Reißfest, dehnbar, feinfühlig und robust – in einen besseren Stoff hätte uns Mutter Natur nicht hüllen können: Die Haut ist unser größtes Organ und enorm vielseitig. Sie bringt im Durchschnitt rund 14 Kilogramm auf die Waage und macht damit etwa 20 Prozent unseres Körpergewichts aus. Würde man sie ausbreiten, entstünde eine Fläche von rund zwei Quadratmetern – wobei allein in einem Quadratzentimeter Haut schon 600.000 Zellen, 5.000 Sinneszellen, vier Meter Nervenbahnen, 100 Schweißdrüsen, ein Meter Blutgefäße und 150.000 Pigmentzellen sitzen. Das ist aber längst nicht alles: Die Haut speichert auch ein Viertel des im Körper enthaltenen Wassers, schützt uns vor Sonnenlicht, reguliert die Körpertemperatur, ist an der Immunabwehr und dem Tastgefühl beteiligt und produziert Vitamin D. Dass die Haut so viele Aufgaben und Funktionen erfüllen kann, ist nur möglich, weil sie kein eindimensionaler Stoff ist, sondern ein komplexes Miteinander aus kunstvoll vernetzten Schichten. Kein Wunder, dass es dabei auch mal zu Problemen kommt. Wie wir unseren Alleskönner am besten schützen, verrät Ihnen dieser Überblick.

Was unter die Haut geht

Mehr als eine schöne Hülle: Unsere Haut ist ein komplexes Organ, das unzählige Aufgaben erfüllt.
Unsere Haut ist mehr als eine oberflächliche Schutzdecke. Sie ist ein Organ, das Stoffe aufnimmt und abgibt. Die Medizin macht sich das zunutze, indem sie Wirkstoffe über Pflaster und Salben transdermal, also über die Haut, verabreicht. Damit das klappt, müssen die Wirkstoffmoleküle so winzig sein, dass sie die Hautbarriere passieren können. Medizin-Pflaster kennt man beispielsweise als Nikotinpflaster, die Rauchern bei der Entwöhnung helfen. Sie werden aber auch gegen Schmerzen, Parkinson, zur Verhütung oder bei Wechseljahrbeschwerden eingesetzt.

In Zukunft könnten sie eine noch größere Rolle spielen, selbst Pflaster-Impfungen wurden bereits erprobt. Kein Wunder, die Aufnahme über die Haut hat viele Vorteile: Die Wirkstoffe gelangen direkt ins Blut, die Einnahme ist angenehm und die Dosierung lässt sich gut steuern. Der Umweg über den Magen-Darm-Trakt entfällt, was Nebenwirkungen verringert und Leber wie Nieren schont. Davon profitieren vor allem chronische Schmerzpatienten. Allerdings saugt die Haut auch ungesunde Stoffe auf, etwa Chemikalien in Waschmitteln, Textilien oder Kosmetika. Aluminiumsalze in Deodorants oder Azofarben und Biozide in Kleidungsstücken gelangen so über die Haut in den Körper. Viele dieser Stoffe gelten als krebserregend oder hormonverändernd, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) moniert das schon lange. Verwenden Sie Kosmetika deshalb sparsam und achten Sie auf wenige, natürliche und hochwertige Inhaltsstoffe. Neue Kleidung sollten Sie vor dem Tragen immer waschen oder auf das Öko-Tex-Siegel achten.

Zeichen der Zeit: Falten

Weil im Laufe der Jahre Wassergehalt, Unterhautfettgewebe, Dehnbarkeit und Spannkraft der Haut abnehmen, wird sie faltig. Wie ausgeprägt dieser Prozess ausfällt, hängt von den Genen und Umwelteinflüssen ab. Geht die Mutter mit 50 Jahren noch als 40 durch, hat auch die Tochter beste Chancen auf ein langanhaltend jugendliches Aussehen – sofern sie auf Zigaretten und Sonnenbäder verzichtet. Rauchen drosselt nämlich den Stoffwechsel und die Durchblutung und macht das Bindegewebe so dick und unelastisch, dass sich jede Falte tief eingräbt.
UV-Strahlen hingegen schädigen das Bindegewebe und fördern die Bildung freier Radikale. Um Falten vorzubeugen, rät die Hamburger Hautärztin Dr. Birgit Kunze zu ausreichend Schlaf, viel Trinken, wenig Stress und konsequenter Pflege. Dass Hautpflege Falten bis zu einem gewissen Grad vorbeugen kann, bestätigt auch Dr. Claudia Borelli, Leiterin der Abteilung Ästhetische Dermatologie und Laser am Universitätsklinikum Tübingen. Sie empfiehlt Anti-Aging-Pflegecremes mit leichtem Peelingeffekt, die mit Vitamin C und Retinol oder Fruchtsäure angereichert sind.

Was gegen Narben hilft

Narben entstehen, wenn eine Verletzung bis in die Unterhaut reicht. Solche Wunden verschließen sich nicht mit Haut, sondern mit Bindegewebe, was die Narbe fest und hart werden lässt. Bei rund fünf Prozent kommt es außerdem zu übermäßiger Hautbildung, sogenannten Wucherungen. Wer dem vorbeugen will, sollte auf eine gute Wundpflege achten. Dr. Birgit Kunze empfiehlt beispielsweise nach Operationen, „in den ersten vier, fünf Tagen nach dem Fädenziehen zweimal täglich die Narbe mit einer speziellen Narbensalbe sanft massieren. Und eventuell zwischendurch für mehrere Stunden ein sogenanntes Narbenreduktionspflaster aus der Apotheke aufkleben.“ Wuchert die Narbe trotzdem, kann der Hautarzt helfen. „Je nach Stadium werden solche Narben entweder vereist oder per Skalpell oder Laser abgeflacht“, erklärt die Tübinger Dermatologin Borelli. „Oder man stoppt ihr Wachstum durch Unterspritzen mit Kortison oder durch ein Druckpflaster.“ Leider seien erneute Wucherungen nie auszuschließen. Mitunter verursachen Narben auch Schmerzen. Vor allem bei Operationsnarben ist das möglich, weil sich das Bindegewebe im Narbenbereich verhärtet und bei Bewegungen spannt.
Nach Operationen im Bauchraum kann es außerdem zu Verwachsungen kommen, wenn sich Bindegewebsstränge zwischen Bauchfell und Organen bilden. In schweren Fällen hilft dann nur noch eine tiefe Lokalanästhesie, bei der ein Schmerzmittel in den betroffenen Bereich gespritzt wird. Aber auch Massagen, Akupunktur und spezielle Gele können helfen. Besprechen Sie Beschwerden mit einem Arzt, denn: Je älter die Narbe, desto schwieriger die Behandlung. Am besten vermeidet man sie schon im Vorfeld. Manche Kliniken arbeiten mit speziellen Nähtechniken und Material sowie einem spannungsfreien Wundverschluss. Fragen Sie Ihren Operateur danach, es gibt viele Möglichkeiten. Wer zu Wucherungen von Narbengewebe neigt, kann unschönen Narben zum Beispiel mit einer Kortison-Injektion direkt nach der Operation vorbeugen.

Unreine Haut

Ob schwarze Mitesser oder roter Riesenpickel – Probleme mit unreiner Haut kennt fast jeder. Leider erledigt sich das Problem nach der Pubertät nicht immer, heute leiden auch viele Erwachsene unter Hautunreinheiten. Diese entstehen, wenn die winzigen Abflusskanäle der Drüsen verhornen und in der Folge Talg und Hautzellen die Poren verstopfen. So entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien, die Entzündungen verursachen. Häufen sich diese, spricht man von Akne. Ganz egal, wie alt Sie sind: Gehen Sie mit unreiner Haut zum Dermatologen. Es gibt viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten. In den meisten Fällen lösen Salben mit Benzoylperoxid, Fruchtsäuren oder lokale Antibiotika das Problem. Bei schwerer Akne helfen Antibiotika, Hormone oder Vitamin-A-Säure. Wichtig sind auch die passende Hautpflege und nicht-komedogenes Make-up sowie eine professionelle Gesichtsreinigung. Selbst ausdrücken ist nämlich tabu, weil es Narben und Entzündungen begünstigt.
Der Gang zum Hautarzt ist übrigens schon deshalb unerlässlich, weil unbehandelte Akne dauerhaft Spuren im Gesicht hinterlässt. Narben lassen sich zwar behandeln, ganz los wird man sie aber nicht mehr. Helfen können laut Dr. Borelli Laserbehandlungen oder Micro-Needling. Dabei sticht man nach dem Auftragen einer Betäubungscreme mit einem nadelbesetzten, rollerartigen Instrument (Dermaroller) winzige Wunden in den Narbenbereich. Das regt Heilung und Kollagenbildung neu an, wodurch die Narbe unauffälliger wird.

Haut spenden in eigener Sache

Normalerweise heilt sich die Haut selbst. Allerdings dauert das bei sehr großen und nicht nähbaren Wunden so lange, dass das Infektionsrisiko steigt und viel Körperflüssigkeit über die Wunde verloren geht. In solchen Fällen muss Haut transplantiert werden, um die Wunde zu bedecken und die Heilung zu beschleunigen. Meist ist das nach Verbrennungen oder Operationen mit viel Hautverlust nötig. Bei einer Transplantation wird an einer Spenderstelle des Körpers Haut entnommen und an der Empfängerstelle wieder eingesetzt. Manchmal reicht dafür eine hauchdünne Schicht aus der Oberhaut, meist wird aber Vollhaut benötigt, die alle Schichten enthält. Auch fremde Spenderhaut, künstliche Haut oder im Labor gezüchtete Eigenhaut kann transplantiert werden – die Möglichkeiten der Medizin sind immens. Heute können dadurch sogar Menschen gerettet werden, deren Hautoberfläche zu 70 Prozent verbrannt ist. Bei planbaren Eingriffen wird die Haut hingegen oft über Monate hinweg gedehnt, so dass unauffällig ein Stück zur Transplantation entnommen werden kann. Das führt zu beeindruckenden ästhetischen Ergebnissen.

Sommersprossen, Punkte und Pigmentflecken

Ballen sich in der Haut farbbildende Zellen zu kleinen Inseln zusammen, entstehen Pigmentflecken. Schon bei der Geburt vorhandene nennt man Muttermale. Solche, die erst im Lauf des Lebens sprießen, sind Leberflecken. Und dann gibt es noch die kleinen, punktförmigen Sommersprossen, die sich gerne auf der Nase tummeln. Auslöser für die Bildung von Leberflecken und Sommersprossen ist das Sonnenlicht. Doch während Sommersprossen oft mit dem Sommer kommen und gehen, erscheinen Leberflecken erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Sonnenbad. Wer sich als Kind viel in der Sonne aufgehalten hat, ist deshalb häufiger betroffen – auch wenn er immer gut eingecremt war. Denn leider kann man Leberflecken mit Sonnencreme, egal mit welchem Lichtschutzfaktor, nicht vorbeugen.
Generell sind Hellhäutige anfälliger als Menschen mit dunklem Teint. Ab Mitte 40 muss sich dann manch einer auch noch mit den sogenannten Altersflecken herumärgern. Das sind bräunliche Flecken, die vor allem auf dem Handrücken, im Gesicht und im Brustbereich auftauchen. Ihre Bildung wird ebenfalls durch UV-Licht angeregt, im Gegensatz zu Leberflecken kann man der Bildung aber durch Sonnencreme vorbeugen.

Hautkrebs – schwarz oder weiß?

Bei keinem anderen Organ des Menschen wird so oft Krebs diagnostiziert wie in der Haut. Allerdings ist die Sterblichkeitsrate selbst beim gefährlichen schwarzen Hautkrebs, der häufig aus Leberflecken entsteht, mit etwa elf Prozent relativ gering. Zum Vergleich: Die Sterberate bei Lungenkrebs beträgt über 50 Prozent. Insgesamt erkranken jedes Jahr über 14.000 Menschen in Deutschland an schwarzem Hautkrebs, der in der Fachsprache malignes Melanom heißt. Bei weiteren 170.000 wird weißer Hautkrebs diagnostiziert, dessen Heilungschancen deutlich besser sind. Beide Formen nehmen aufgrund des schier unstillbaren Hungers nach Sonne und Bräune immer mehr zu. Denn die Hauptauslöser sind UV-Licht und die dadurch verursachten Sonnenbrände.
Schwarzer Hautkrebs ist häufig eine Folge von Sonnenbränden in der Kindheit, er entsteht aus wuchernden Pigmentzellen. Weißer Hautkrebs entwickelt sich in einer tieferen Hautschicht, der sogenannten Basalmembran. Für ihn sind vor allem Sonnenbrände ab dem 50. Lebensjahr verantwortlich. Die wichtigste Hautkrebsvorsorge ist deshalb nach wie vor der richtige Sonnenschutz, sprich Sonnencreme, passende Kleidung, Kopfbedeckung und Meiden der Mittagssonne. Vor allem, wenn man ein heller Hauttyp ist. Ob mit einem Muttermal oder Leberfleck etwas nicht stimmt, kann jeder bis zu einem gewissen Grad selbst prüfen, zum Beispiel mithilfe der ABCDE-Regel. Demnach sollte man zum Hautarzt gehen, wenn ein Fleck (A) asymmetrisch geformt, (B) unregelmäßig begrenzt, (C) scheckig coloriert, (D) im Durchmesser größer als fünf Millimeter oder (E) erhaben oder gewölbt ist. Beim Hautkrebs-Screening erstreckt sich die Suche nach auffälligen Flecken auf den ganzen Körper, allerdings ist das Programm umstritten, weil es immer wieder zu Fehl- und Überdiagnosen kommt und die Sterblichkeitsrate seit Einführung des Screenings nicht gesunken ist. Deshalb werden oft Flecken aus der Haut geschnitten, die sich in der Gewebeprobe als harmlos entpuppen.
Dennoch kann es ratsam sein, regelmäßig zum Hautkrebs-Screening zu gehen. Dr. Claudia Borelli von der Universitätshautklinik Tübingen: „Durch das Screening können gefährliche maligne Melanome früher, also in einem dünneren Stadium, entdeckt werden. Dadurch ist eine weniger aggressive Therapie mit sehr guten Heilungschancen möglich.“ Wie der einzelne mit dem Thema Hautkrebs-Screening umgeht, ist letztlich auch eine Frage des individuellen Risikos. Hautkrebs kann entstehen, wenn beispielsweise ein malignes Melanom bereits in der engsten Familie aufgetreten ist, viele Pigmentflecken vorhanden sind oder jemand in der Kindheit und Jugend viele Sonnenbrände hatte.
Die Kosten für kosmetische Behandlungen und Eingriffe werden von der privaten Krankenvollversicherung nicht übernommen, wenn sie nicht medizinisch notwendig sind.

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