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03.11.2014

"Gelassenheit wirkt lebensverlängernd"

Was passiert in unserem Körper, wenn uns die Gelassenheit fehlt? Das haben wir Professor Dr. Heinz Reichmann von der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Dresden und Mitglied unseres medizinischen Beirats gefragt.

Wann sind wir gelassen?

Im Urlaub oder in Situationen, in denen nichts auf uns einströmt, uns nichts reizt oder streitsüchtig macht. In Momenten, in denen wir ganz bei uns selbst sind und gut mit uns auskommen, sind wir innerlich ausgeglichen. Das macht zufrieden und glücklich.

Wie zeigt sich das im Gehirn?

Die Ausschüttung der Glückshormone Dopamin und Serotonin ist dann auf Normalniveau. Dieses hormonelle Gleichgewicht wirkt sich auf unser Verhalten positiv aus: Man wird großzügig, kann leichter verzeihen und über die Schwächen anderer hinwegsehen. Gleichzeitig gewinnt man Selbstvertrauen und ist optimistisch, dass man seine Aufgaben schaffen wird.

Und was geschieht im Körper, wenn wir uns aufregen oder gestresst sind?

Prof. Dr. Heinz Reichmann, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik der Universität Dresden und Mitglied unseres medizinischen Beirats.
Im Gehirn werden die Glücksbotenstoffe unterreguliert. Das macht uns traurig und lustlos. Wir können zum Beispiel das schöne Essen nicht mehr genießen oder sind antriebslos, kommen kaum aus dem Bett. Gleichzeitig schüttet die Nebenniere zu viel Cortisol aus. Man wird reizbar, aggressiv und schlimmstenfalls krank. Viele leiden dann unter Schlaflosigkeit oder Herz-Kreislauf-Problemen.

Gelassenheit hält also gesund?

Nicht nur das. Studien zeigen, dass sich die Lebenserwartung von Menschen um bis zu zehn Jahre verkürzen kann, wenn sie häufig unter Stress stehen und dazu auch noch wenig auf sich achten, sich etwa schlecht ernähren.

Lässt sich Gelassenheit erlernen?

Ja. Ein erster Schritt ist, sich klar zu werden, welchen inneren Druck wir uns selbst machen. Um sich dann bewusst gegen die Dinge zu entscheiden, die wir reduzieren oder auf die wir leicht verzichten können. Dabei hilft zum Beispiel die Frage: Was würde schlimmstenfalls passieren, wenn ich etwas nicht mache oder einfach mal „Nein“ sage? Oft sind die Konsequenzen nämlich gar nicht so dramatisch, wie wir meinen. Mit diesem Trick lässt sich so manches Thema gelassener angehen.

Der US-Psychologe Martin Seligmann sagt, dass man automatisch gelassener wird, wenn man sich gedanklich jeden Morgen mit Sätzen wie “Das lasse ich auf mich zukommen” für die Ereignisse des Lebens positiv programmiert.

Stimmt. Manchmal reicht es auch schon, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Urplötzlich ist das, worüber man sich aufgeregt hat, gar nicht mehr so tragisch. Andere Dinge muss man dagegen einfach meiden, wenn man immer wieder spürt, dass sie einem nicht gut tun. Warum will ich in den Chefsessel, wenn ich den Druck nicht aushalte? Gelassenheit braucht Einsicht über die eigene Persönlichkeit und die individuellen Grenzen.

Was hilft noch dabei, Gelassenheit zu üben?

Studien zeigen, dass besonders eine stabile Partnerschaft die Cortisolausschüttung reduziert und das Immunsystem stärkt. Natürlich kann man es nicht erzwingen, den passenden Partner zu finden. Aber wenn man ihn hat, sollte man – und damit wären wir bei Martin Seligmanns Empfehlung – bewusst einen positiven Blick auf ihn richten. Statt sich immer wieder damit zu stressen, was der Partner alles nicht macht, ist es entspannender, täglich dankbar dafür zu sein, dass man Zeit miteinander verbringen darf.

Gibt es sonst eine Übung, die sofort wirkt, wenn man sich gerade wieder in etwas hineinsteigert?

Sich einfach mal hinsetzen und tief durchatmen. Dann am besten die Sache ruhen lassen und eine Nacht darüber schlafen. Am nächsten Tag hat man Distanz gewonnen und sieht alles gleich viel gelassener.
 

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